Der EVO37 ist ein gutes Beispiel dafür, wie weit sich die Restomod-Szene entwickelt hat: klassische Rallye-Silhouette, heutige Technik und eine Stückzahl, die eher nach Manufaktur als nach Großserie klingt. Für Oldtimer- und Motorsport-Fans ist das Modell spannend, weil es die Lancia-037-Idee nicht nur zitiert, sondern in eine moderne, fahrbare Form übersetzt. Genau darum geht es hier: Was das Auto wirklich ist, wie es technisch funktioniert, warum das Design so gut wirkt und für wen diese Art von Wagen überhaupt Sinn ergibt.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Der EVO37 ist kein restaurierter Klassiker, sondern ein moderner Restomod mit klarer Rallye-DNA.
- Die Technik kombiniert einen 2,15-Liter-Vierzylinder mit Aufladung, Heckantrieb und Handschaltung.
- Die Leistung liegt bei 505 PS und 550 Nm, das Gewicht grob im Bereich von rund einer Tonne.
- Die Form erinnert stark an die Lancia 037, ist aber sauber auf heutige Ansprüche neu interpretiert.
- Preis und Verfügbarkeit bewegen sich im Bereich einer extremen Kleinserie mit sehr hohem Sammlerwert.
- Für Oldtimer-Fans ist das Auto vor allem deshalb interessant, weil es zeigt, wie man historische Substanz respektvoll modernisiert.

Was den EVO37 von der Lancia 037 unterscheidet
Ich würde den Wagen nie als bloße Kopie lesen. Der EVO37 ist ein Restomod, also eine Neuinterpretation eines Klassikers mit heutiger Technik, moderner Fertigung und deutlich mehr Alltagsspielraum. Die Vorlage ist unverkennbar die Lancia 037, aber Kimera baut keine nostalgische Kulisse, sondern ein neues Auto mit historischem Kerngefühl.
Genau das ist der wichtige Punkt: Wer eine originale 037 erwartet, bekommt etwas anderes. Wer aber verstehen will, wie man eine große Rallye-Ikone in die Gegenwart holt, findet hier ein sehr ernst gemeintes Beispiel. Die Proportionen stimmen, der Heckantrieb bleibt erhalten, und auch die Haltung des Autos erinnert mehr an Motorsport als an ein Sonntags-Coupé.
| Kriterium | Lancia 037 | EVO37 |
|---|---|---|
| Einordnung | Historisches Rallye- und Homologationsauto | Moderner Restomod mit Tribute-Charakter |
| Technik | Zeittypische Renntechnik der frühen 1980er | Neu entwickelte Technik mit modernen Materialien und Elektronik |
| Antrieb | Heckantrieb | Heckantrieb |
| Charakter | Roh, direkt, kompromisslos | Direkt, aber spürbar zivilisierter und besser beherrschbar |
| Sinn für Sammler | Originalität und Historie | Fahrbarkeit, Exklusivität und Designkultur |
Für mich ist diese Unterscheidung entscheidend, weil sie die Erwartung sauber setzt: Der EVO37 ist kein Ersatz für ein Original, sondern eine sehr hochwertige Fortsetzung der Idee. Und genau deshalb lohnt sich der Blick auf die Technik, die das Ganze trägt.
Technik und Fahrgefühl auf den Punkt gebracht
Die technische Basis ist das, was den Wagen glaubwürdig macht. Kimera setzt auf einen quer eingebauten, besser gesagt mittig-hinten montierten Vierzylinder mit 2.150 cm3 Hubraum, zwei Stufen Aufladung und Hinterradantrieb. Das Ergebnis sind 505 PS und 550 Nm, von denen schon früh viel anliegt. Die Kombination aus Kompressor und Turbolader ist hier nicht nur ein Showeffekt, sondern eine Lösung für zwei gegensätzliche Wünsche: spontane Ansprache untenrum und kräftigen Schub obenrum.
Im Alltag bedeutet das: Der Wagen wirkt nicht nur schnell, sondern lebendig. Ein gut gemachter Twincharged-Motor verhindert das klassische Turboloch und behält trotzdem die Wucht, die man in einem so leichten Auto erwartet. Dazu kommt die Handschaltung, die den Charakter deutlich prägt. Automatische Bequemlichkeit ist hier nicht das Ziel. Das Auto will mitdenken lassen.
| Technische Eckdaten | Angabe |
|---|---|
| Motor | 2,15-Liter-Reihenvierzylinder |
| Aufladung | Kompressor plus Turbolader |
| Leistung | 505 PS DIN |
| Drehmoment | 550 Nm |
| Antrieb | Heckantrieb |
| Getriebe | 6-Gang manuell |
| Karosserie | Carbonfaser |
| Abmessungen | ca. 4.055 mm lang, 1.905 mm breit, 1.200 mm hoch |
| Gewicht | je nach Quelle und Ausführung rund 1.000 bis 1.100 kg |
Aus diesen Werten ergibt sich ein sehr starkes Leistungsgewicht, grob zwischen 460 und 500 PS pro Tonne, je nach angesetzter Masse. Das erklärt auch, warum der EVO37 in Testberichten als extrem direkt und fordernd beschrieben wird. Er ist nicht auf Distanz angenehm, sondern auf Intensität. Genau darin liegt sein Reiz, und genau deshalb passt er nicht in jede Garage. Danach stellt sich die nächste Frage fast automatisch: warum sieht er so überzeugend aus?
Warum das Design so stark wirkt
Viele Retro-Projekte scheitern nicht an der Technik, sondern an den Proportionen. Beim EVO37 ist das anders. Die Form wirkt deshalb glaubwürdig, weil sie die wichtigsten Signale der Vorlage übernimmt: kurze Überhänge, breites Heck, niedrige Front, runde Leuchten und diese kompakte, fast gespannte Seitenlinie, die immer ein wenig nach Startlinie aussieht.
Wichtig ist aber auch, was nicht gemacht wurde. Der Wagen ertrinkt nicht in dekorativen Retro-Zitaten. Stattdessen arbeitet Kimera mit moderner Klarheit: saubere Flächen, Carbon, LED-Lichttechnik und eine Innenarchitektur, die das historische Cockpitgefühl nicht kopiert, sondern neu ordnet. Ich halte genau das für die stärkste Stelle des Entwurfs. Gute Restomods wirken nicht dann glaubwürdig, wenn sie alte Details stapeln, sondern wenn sie die Haltung eines Klassikers treffen.
- Die Front bleibt flach und aggressiv, statt höflich auf „modern“ getrimmt zu sein.
- Die seitliche Spannung erinnert an Gruppe-B-Rallyeautos, ohne wie ein Tuning-Bodykit zu wirken.
- Das Heck bleibt klar erkennbar eigenständig und stützt den Eindruck von Motor im Rücken.
- Der Innenraum verbindet Rennsport mit Nutzbarkeit, statt nur nostalgisch auszusehen.
Gerade für Oldtimer-Fans ist das interessant, weil hier sichtbar wird, wie viel Wirkung saubere Proportionen haben. Danach ist die Preisfrage fast unvermeidlich, und genau dort wird das Projekt besonders klar eingeordnet.
Preis, Stückzahl und Marktposition
Der EVO37 bewegt sich eindeutig im Bereich einer extremen Kleinserie. Frühere Angaben nannten einen Einstieg ab etwa 400.000 Euro vor Steuern; spätere Berichte lagen je nach Ausführung deutlich höher, teils im Bereich von rund 680.000 Euro bis weit darüber. Für ein Auto dieser Art ist das nicht ungewöhnlich, aber es zeigt sehr deutlich, dass hier nicht nur ein Fahrzeug, sondern auch Handarbeit, Exklusivität und Markenaufbau bezahlt werden.
Die geplante Stückzahl wurde in Berichten mit 37 Exemplaren angegeben. Das macht den Wagen nicht automatisch wertstabil, aber es erklärt, warum das Thema bei Sammlern so viel Aufmerksamkeit erzeugt. In dieser Preisklasse kauft niemand nur Leistung. Gekauft wird eine Geschichte, eine Formensprache und der Zugang zu einer sehr kleinen Gruppe von Besitzern.
| Marktfaktor | Einordnung |
|---|---|
| Stückzahl | Extrem limitiert, in Berichten mit 37 Exemplaren angegeben |
| Preisniveau | Hochsechsstellig, je nach Spezifikation und Markt teils deutlich darüber |
| Positionierung | Zwischen Sammlerobjekt, Designstück und fahrbarem Technikstatement |
| Typische Käufer | Sammler, Motorsport-Enthusiasten, Individualisten mit sehr hohem Budget |
| Werttreiber | Handarbeit, Geschichte, Limitierung und Markenidentität |
Wer so ein Auto betrachtet, sollte außerdem die Besitzrealität mitdenken: Transport, Versicherung, Wartung, Ersatzteilversorgung und die Frage, wie viel individuelle Anpassung den späteren Marktwert beeinflusst. Genau da trennt sich ein gutes Sammlerobjekt von einem teuren Launeprodukt.
Für wen der Wagen passt und wo die Grenzen liegen
Ich würde den EVO37 klar für Menschen einordnen, die Fahrgefühl wichtiger finden als digitale Perfektion. Das Auto passt zu Käufern, die ein analoges, emotionales Fahrerlebnis suchen und keine Angst vor Geräusch, Hitze, enger Kabine und sehr direkter Rückmeldung haben. Auch für Sammler, die italienische Motorsportgeschichte nicht nur ansehen, sondern in einer neuen Form erleben wollen, ist er interessant.
Weniger gut passt er für Käufer, die einen klassischen Grand Tourer mit entspannter Langstreckentauglichkeit erwarten. Trotz moderner Technik bleibt das Auto kompromissstark. Es ist laut, sehr speziell und im Charakter nah an einem Rennwagen. Auch die Servicefrage ist bei einer Kleinserie wichtiger als bei einem Serienfahrzeug. Wer in Deutschland kauft, sollte die Dokumentation, die Betreuung und die Zulassungsunterlagen sehr genau prüfen.
- Passt gut, wenn Sie ein mechanisches Fahrerlebnis suchen.
- Passt gut, wenn Sie Form und Historie als gleich wichtig ansehen.
- Passt gut, wenn Sie ein seltenes Sammlerobjekt mit starker Identität wollen.
- Passt weniger gut, wenn Sie Komfort und Alltag vor Emotion stellen.
- Passt weniger gut, wenn Sie breite Werkstatt- und Teileverfügbarkeit erwarten.
- Passt weniger gut, wenn Sie ein Original mit historischer Patina suchen.
Genau an dieser Stelle wird auch klar, warum der Wagen für Oldtimer-Fans mehr ist als nur ein teures Spielzeug. Er zeigt, wie eine Marke aus Motorsport-Erbe ein neues Profil baut, ohne ihre Herkunft zu verleugnen. Daraus lässt sich für viele andere Klassiker-Projekte einiges lernen.
Worauf ich bei ähnlichen Restomods zuerst schauen würde
Wenn ein Auto wie der EVO37 als Vorbild dient, prüfe ich immer zuerst drei Dinge: die technische Ehrlichkeit, die Qualität der Umsetzung und die Konsequenz im Konzept. Ein gutes Restomod-Projekt lebt nicht von auffälligen Details, sondern von der Frage, ob Mechanik, Gewicht, Fahrwerk und Karosserie wirklich zusammenpassen. Genau dort trennt sich große Arbeit von bloßer Inszenierung.
Für ähnliche Projekte würde ich mir deshalb immer diese Punkte ansehen:
- Welche Teile sind wirklich neu entwickelt und welche stammen nur aus dem Originalkonzept?
- Wie transparent ist die Dokumentation zu Fahrwerk, Motor, Elektronik und Fertigung?
- Gibt es eine belastbare Service- und Ersatzteilstrategie für die Jahre nach der Auslieferung?
- Passt die Leistung zum Gewicht, oder wurde nur Leistung addiert, ohne das Paket sauber abzustimmen?
- Wie stark ist die Individualisierung, und wie wirkt sie sich später auf den Marktwert aus?
Beim EVO37 ist die Antwort auf diese Fragen bemerkenswert konsequent: Er ist kein nostalgisches Zitat, sondern ein präzise gebautes Statement über die Zukunft analoger Sportwagen. Genau deshalb ist er für mich weniger ein Hype-Objekt als ein sehr ernst zu nehmender Maßstab dafür, wie man historische DNA modern übersetzt.