Isdera Commendatore 112i - Einzelstück, V12 & Le-Mans-Traum

Frank Hiller .

16. Mai 2026

Der Isdera Commendatore 112i mit geöffneten Flügeltüren und Motorhaube zeigt seinen V12-Motor und die rote Gitterrohrrahmen-Konstruktion.

Der Isdera Commendatore 112i ist kein normales Sammlerstück, sondern ein konsequent gebautes Einzelstück mit Le-Mans-Ambition, V12-Technik und einer Form, die sofort im Kopf bleibt. Mich interessiert an diesem Auto vor allem die seltene Mischung aus Ingenieursidee und Kleinserienrealität: Was wurde tatsächlich umgesetzt, warum blieb es bei einem Prototyp, und was bedeutet das heute für Bewertung, Pflege und Restaurierung? Genau darauf geht dieser Beitrag ein.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Einzelstück mit Anspruch - Der Wagen war als ernsthafte Hochgeschwindigkeits- und Le-Mans-Entwicklung gedacht, nicht als Showcar ohne Substanz.
  • Technisch außergewöhnlich - M120-V12, angepasstes RUF-Getriebe, GFK-Karosserie und Raumrahmen bilden eine seltene Kombination.
  • Rarität ist der Kern des Werts - Nur ein Exemplar wurde fertiggestellt, daher zählen Geschichte, Originalität und Dokumentation stärker als bei normalen Klassikern.
  • Restaurierung ist Spezialarbeit - Bei einem Prototyp entscheidet die Qualität der Dokumentation oft mehr als der glänzende Lack.
  • Marktwert folgt dem Einzelfall - Solche Fahrzeuge lassen sich kaum mit Serienmodellen vergleichen; Provenienz und Zustand treiben den Preis.

Der Isdera Commendatore 112i mit geöffneten Flügeltüren und Motorhaube zeigt seinen V12-Motor. Ein seltener Supersportwagen.

Warum der Commendatore 112i bis heute herausragt

Für mich ist dieser Wagen vor allem deshalb spannend, weil er nicht einfach nur selten ist. Er verbindet einen klaren aerodynamischen Auftrag mit echter Technik und einer Bauweise, die nicht auf Massenproduktion ausgelegt war. Genau das macht ihn glaubwürdiger als viele andere Prototypen, die im Rückblick eher wie reine Designobjekte wirken.

Auch der Name ist kein Zufall. Der Verweis auf Enzo Ferrari und seinen Ehrentitel zeigt, wie selbstbewusst Isdera den Anspruch formulierte: nicht bloß ein weiterer Supersportler, sondern ein Auto mit kulturellem und technischem Statement. Ich lese den 112i deshalb als Verdichtung der Marke selbst - mutig, eigenständig und kompromisslos auf Wirkung ausgelegt. Um zu verstehen, warum das so ist, hilft der Blick auf die Entwicklungslinie davor.

Vom CW311 zur Isdera-Ikone

Der 112i fiel nicht vom Himmel, sondern war das Ergebnis einer langen und ziemlich ungewöhnlichen Entwicklung. Eberhard Schulz arbeitete sich mit Eigenbau, Designtalent und Hartnäckigkeit Schritt für Schritt in eine Position, in der er eigene Sportwagen überhaupt bauen konnte. Entscheidend ist dabei nicht nur die Technik, sondern die Konsequenz, mit der aus einer Idee eine kleine Marke wurde.

Jahr Station Bedeutung
1971 Erator GTE Mit einem selbst gebauten Sportwagen überzeugte Schulz große Hersteller von seinem Talent.
1978 CW311 Die Studie machte die Formensprache bekannt, die später die Isdera-Modelle prägen sollte.
1982 Gründung von Isdera Aus der Einzelidee wurde eine kleine Manufaktur für Styling, Design und Racing.
1983 Imperator 108i Das erste echte Serienprojekt der Marke, gebaut in sehr kleiner Stückzahl und über Jahre hinweg in Handarbeit.
1993 Commendatore 112i Der geplante nächste Schritt: ein stärkerer, technischer und noch ambitionierterer Nachfolger.
1999 Silver Arrow Das Einzelstück wurde später umbenannt und optisch verändert, bevor es wieder in Richtung Originalzustand zurückging.
2016 Rückführung Die spätere Wiederherstellung der ursprünglichen Konfiguration wurde für die Historie des Wagens wichtig.

Wichtig ist für mich vor allem die Folge: Der 112i war kein Zufall, sondern die konsequente Fortsetzung einer Linie, die immer wieder zwischen Designstudie, Straßenzulassung und Ingenieurprototyp pendelte. Gerade deshalb ist der spätere Umbau zum Silver Arrow und die Rückführung in den Originalzustand so interessant: Hier geht es nicht nur um Optik, sondern um Identität. Damit sind wir bei der Technik, und dort wird schnell klar, warum dieses Auto in seiner Zeit so weit voraus wirkte.

Technik und Aerodynamik mit Rennsportanspruch

Der technische Kern des Wagens ist beeindruckend, weil er nicht aus einem einzigen großen Trick besteht, sondern aus vielen kleinen Lösungen, die zusammen ein konsistentes Konzept ergeben. Leichtbau, Luftwiderstand, Motorcharakter und Fahrwerk wurden nicht getrennt gedacht, sondern aufeinander abgestimmt. Genau das unterscheidet ein gutes Einzelstück von einer bloßen Designhülle.

Bereich Ausführung Warum das wichtig ist
Antrieb 6,0-Liter-Mercedes-Benz M120 V12 mit vier Ventilen pro Zylinderbank und über 400 PS Die Basis für den Langstrecken- und Hochgeschwindigkeitsanspruch.
Getriebe Spezielle Schwungradlösung mit angepasstem RUF-Getriebe und sechstem Gang Ohne diese Anpassung wäre die geplante Endgeschwindigkeit kaum erreichbar gewesen.
Karosserie GFK-Karosserie auf Raumrahmen Leicht, aber bei Alterung und Reparatur deutlich sensibler als ein Serienaufbau.
Fahrwerk Technik in der Nähe des Porsche 928, ergänzt um eine aktive Absenkung von rund 7,6 cm bei hohem Tempo Reduziert den Luftwiderstand und verbessert die Stabilität bei Speed.
Aerodynamik Cw-Wert von 0,306, Periskopspiegel und eigens entwickelter Wischerlösung Jedes Detail diente der Strömung, nicht nur der Optik.
Fahrleistungen Je nach Quelle 340 bis 370 km/h, 0-100 km/h in rund 4 Sekunden Die Zahlen zeigen, wie ernst das Projekt technisch gemeint war.

Isdera nennt heute 370 km/h und 0-100 km/h in 4 Sekunden, RM Sotheby's bezifferte 2021 für die 6,0-Liter-Ausführung 340 km/h. Ich lese diese Abweichung nicht als Widerspruch, sondern als Hinweis darauf, dass bei einem handgebauten Prototyp die Darstellung je nach Entwicklungsstand und Quelle leicht variiert. Entscheidend bleibt: Dieses Auto war auf hohe Endgeschwindigkeit, geringen Luftwiderstand und echte Fahrbarkeit ausgelegt, nicht nur auf Showeffekt.

Gerade für Oldtimer-Fans ist das interessant, weil hier Technik nicht dekorativ wirkt, sondern als Teil einer sehr konsequenten Idee. Und genau diese Konsequenz macht spätere Pflege- und Restaurierungsarbeiten so anspruchsvoll.

Was Restaurierung und Pflege bei einem Einzelstück schwierig macht

Wenn ich so ein Fahrzeug betreuen müsste, würde ich nie mit der Lackfläche beginnen, sondern mit Dokumentation, Maßaufnahme und Bestandsaufnahme. Bei einem Prototypen ist das keine Formalität, sondern die eigentliche Grundlage jeder vernünftigen Arbeit. Wer hier zu früh kosmetisch eingreift, verändert schnell mehr, als er repariert.

Bereich Typisches Risiko Praktische Konsequenz
GFK-Karosserie Spannungsrisse, unsaubere Nachlackierungen, veränderte Spaltmaße Nur mit einem Spezialisten reparieren, der Glasfaserverbundwerkstoffe wirklich beherrscht.
Raumrahmen Verzug oder verdeckte Korrosion an Knotenpunkten Vor kosmetischen Arbeiten immer vermessen und konservieren.
Motor und Peripherie Alternde Dichtungen, Hitzeprobleme, seltene Anbauteile Kühlung, Schlauchführung und Dichtheit haben Priorität vor Leistungsoptimierung.
Getriebe und Kupplung Verschleiß bei Spezialanpassungen, fehlende Ersatzteilbasis Vor jeder Überholung die Teilelage und Fertigungsmöglichkeit klären.
Klapp- und Scharniermechanik Schwergängigkeit, Dämpferverlust, Undichtigkeiten Bewegungen regelmäßig prüfen und nicht mit Gewalt einstellen.
Dokumentation Umbauten ohne Nachweis, verlorene Originalteile, unklare Historie Fotos, Rechnungen und Messprotokolle sind bei so einem Wagen Teil des Werts.

Ich würde bei einem solchen Auto immer mit einer konservativen Restaurierungsstrategie arbeiten: so viel erhalten wie möglich, so wenig ersetzen wie nötig. Gerade bei einem Einzelstück ist Originalität oft wertvoller als makellose, aber historisch glatte Perfektion. Wer den Wagen pflegt, pflegt deshalb nicht nur Material, sondern auch die technische Erzählung dahinter. Daraus ergibt sich fast automatisch die Frage, wie man so ein Fahrzeug überhaupt fair bewertet.

Wie ich den Wagen aus Sammlersicht bewerte

Der Markt für ein Einzelstück funktioniert anders als bei einem Serienklassiker. Ein sauberer Zustand ist wichtig, aber bei einem Auto wie diesem zählen Provenienz, Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit oft noch stärker. Ich würde deshalb nie nur auf Kilometerstand oder frische Optik schauen, sondern auf die ganze Geschichte des Wagens.

Prüffrage Worauf ich achte Warum das zählt
Ist die Identität eindeutig? Fahrgestellnummer, historische Unterlagen und Baudokumente müssen zusammenpassen. Bei einem One-off ist die Identität fast so wichtig wie der technische Zustand.
Ist der Wagen vollständig? Originale Räder, Spiegel, Klappen, Innenraumdetails und spezifische Anbauteile sollten vorhanden sein. Fehlteile können den Charakter und den Marktwert stark beeinflussen.
Sind Umbauten dokumentiert? Spätere Änderungen müssen nachvollziehbar sein, besonders bei der Phase als Silver Arrow. Undokumentierte Eingriffe machen die Bewertung unsicher.
Läuft die Technik sauber? Motorlauf, Temperaturverhalten, Schaltbarkeit und Fahrwerk müssen belastbar geprüft werden. Ein nicht fahrbereites Einzelstück ist deutlich schwieriger einzuschätzen.
Gibt es lückenlose Historie? Werkstattrechnungen, Fotos, Zulassungsunterlagen und frühere Bewertungen sollten vorhanden sein. Dokumentation schafft Vertrauen und reduziert spätere Konflikte.

Die Auktion 2021 brachte 1.113.125 Euro. Für mich ist das kein fixer Referenzpreis, sondern ein Hinweis darauf, dass ein dokumentiertes, fahrbereites Einzelstück mit klarer Herkunft in dieser Liga nicht nach Tabellenlogik bewertet wird. Wer so etwas kauft, bezahlt nicht nur für Technik, sondern auch für Herkunft, Authentizität und den Aufwand, der in Erhalt und Nachvollziehbarkeit steckt. Genau deshalb lohnt sich am Ende noch ein Blick auf die größeren Lehren dieses Autos.

Was der 112i für heutige Oldtimer-Projekte lehrt

  • Eine starke Idee braucht klare Disziplin. Der 112i wirkt nicht deshalb überzeugend, weil er laut ist, sondern weil Form und Funktion auf ein Ziel hin entwickelt wurden.
  • Dokumentation ist Teil der Substanz. Bei seltenen Fahrzeugen beginnt Werterhalt nicht in der Lackierkabine, sondern in der Mappe mit Fotos, Messwerten und Rechnungen.
  • Originalität schlägt kosmetische Perfektion. Ein sauber repariertes Detail ist wertvoller als eine beliebige Hochglanzlösung, wenn sie die Historie verwischt.
  • Spezialwissen ist unverzichtbar. GFK, Raumrahmen, Sondergetriebe und Einzelmechanik verlangen andere Kompetenz als ein normaler Oldtimer.

Genau deshalb bleibt der Commendatore 112i mehr als ein seltener Supersportler. Er ist ein Lehrstück darüber, wie weit sich eine Marke mit Klarheit, Mut und Handarbeit tragen kann. Wer ein solches Auto erhält, pflegt nicht nur Blech und Mechanik, sondern auch ein Stück deutscher Sportwagenkultur.

Häufig gestellte Fragen

Er ist ein einzigartiger Prototyp mit Le-Mans-Ambitionen, V12-Motor und einer extrem aerodynamischen Form. Seine Seltenheit und die konsequente Ingenieursleistung machen ihn zu einem herausragenden Sammlerstück.
Das Projekt wurde durch finanzielle Schwierigkeiten und die Asienkrise der 1990er Jahre gestoppt, bevor eine Serienproduktion starten konnte. So blieb es bei dem einen fertiggestellten Exemplar.
Er besitzt einen Mercedes-Benz M120 V12-Motor, ein angepasstes RUF-Getriebe, eine GFK-Karosserie auf Raumrahmen und eine aktive Fahrwerksabsenkung für optimale Aerodynamik.
Sehr aufwendig. Sie erfordert Spezialwissen für GFK und Raumrahmen, eine lückenlose Dokumentation und eine konservative Strategie, um die Originalität zu bewahren.
Der Wert hängt stark von der Provenienz, der lückenlosen Historie, der Originalität und dem Zustand ab. Einzelstücke wie dieses folgen keinen Standardtabellen, sondern individuellen Bewertungen.

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Autor Frank Hiller
Frank Hiller
Ich bin Frank Hiller und beschäftige mich seit über einem Jahrzehnt intensiv mit der Restaurierung, Pflege und Geschichte von Oldtimern. In dieser Zeit habe ich umfassende Kenntnisse über die verschiedenen Techniken und Materialien gesammelt, die für die Wiederherstellung klassischer Fahrzeuge erforderlich sind. Mein Ziel ist es, die Faszination für Oldtimer nicht nur zu bewahren, sondern auch weiterzugeben. Als erfahrener Content Creator und Branchenanalyst lege ich großen Wert darauf, komplexe Informationen verständlich und zugänglich zu präsentieren. Ich analysiere Markttrends und dokumentiere historische Entwicklungen, um meinen Lesern eine fundierte Perspektive zu bieten. Dabei ist es mir wichtig, objektiv und präzise zu arbeiten, damit jeder, der sich für Oldtimer interessiert, auf verlässliche Informationen zugreifen kann. Mein Engagement für akkurate und aktuelle Inhalte spiegelt sich in jedem Artikel wider. Ich möchte sicherstellen, dass meine Leser nicht nur inspiriert, sondern auch gut informiert sind, wenn es um die Pflege und Restaurierung ihrer Fahrzeuge geht.

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