Radwechsel richtig machen - So gelingt's bei Oldtimern!

Frank Hiller .

12. Mai 2026

Anleitung zum **Reifen wechseln**: Radschrauben lösen, Anzugsdrehmoment prüfen. Wichtige Hinweise zur Montage.

Ein sauberer Radwechsel spart nicht nur Werkstattzeit, sondern gibt dir auch einen guten Blick auf Zustand, Verschleiß und kleine Schäden am Fahrzeug. Gerade bei Oldtimern lohnt sich das doppelt: Wer Räder selbst tauscht, erkennt Rost, poröse Gummis, ungleichmäßigen Abrieb und lockere Verschraubungen früh. In diesem Artikel geht es deshalb um die praktische Reihenfolge, das passende Werkzeug, die richtige Anzugsreihenfolge und die Punkte, an denen man bei klassischen Fahrzeugen genauer hinschauen sollte.

Die wichtigsten Punkte für einen sicheren Radwechsel auf einen Blick

  • Sicherer Stand zuerst: Das Auto gehört auf einen ebenen, festen Untergrund, mit angezogener Handbremse und gesicherten Gegenrädern.
  • Erst lösen, dann anheben: Radschrauben werden vor dem Hochbocken nur gelöst, nicht komplett entfernt.
  • Richtig festziehen: Am Ende zählt das vom Hersteller vorgegebene Drehmoment, nicht das Bauchgefühl.
  • Nachkontrolle einplanen: Reifendruck prüfen und die Verschraubung nach kurzer Fahrt noch einmal kontrollieren.
  • Reihenfolge beachten: Bei unterschiedlichen Profilen und Fahrantrieben kann die Position der Räder entscheidend sein.
  • Bei alten Fahrzeugen genauer prüfen: Risse, Alterserscheinungen, Rost an den Auflageflächen und empfindliche Felgen verdienen mehr Aufmerksamkeit als bei Alltagsautos.

Was vor dem Schraubenschlüssel zählt

Ich beginne bei solchen Arbeiten nie mit dem Wagenheber, sondern mit der Frage: Wird nur das Rad gewechselt oder muss der Reifen von der Felge? Nur ganze Räder in Eigenregie zu tauschen ist realistisch; das eigentliche Aufziehen und Abziehen von Reifen gehört in die Werkstatt. Für viele Klassiker ist das übrigens der Normalfall, weil Sommerräder und Winterräder oft jeweils auf eigenen Felgen lagern.

Bevor ich loslege, lege ich alles griffbereit hin. Das spart Zeit und verhindert Hektik unter dem Auto. Bei Oldtimern ist das noch wichtiger, weil Originalteile, Radkappen oder Spezialschrauben oft empfindlicher sind als moderne Standardware.

Werkzeug Wofür ich es nutze Worauf ich achte
Wagenheber Zum sicheren Anheben des Fahrzeugs Nur an den vorgesehenen Aufnahmepunkten ansetzen
Unterlegkeil Zum Sichern des Fahrzeugs Mindestens ein Rad auf der Gegenseite blockieren
Radkreuz oder Radschlüssel Zum Lösen der Schrauben Schrauben immer vor dem Anheben anlösen
Drehmomentschlüssel Zum finalen Festziehen Nur mit dem vorgegebenen Nm-Wert arbeiten
Drahtbürste Zum Reinigen der Auflagefläche Rost und Schmutz sorgfältig entfernen
Reifendruckprüfer Zur Kontrolle nach dem Wechsel Druck möglichst im kalten Zustand messen
Kreide oder Wachsstift Zum Markieren der Radpositionen Hilft beim späteren Rotieren und Einlagern

Ich prüfe außerdem vorher die Betriebsanleitung oder das Werkstatthandbuch. Gerade bei älteren Fahrzeugen stehen dort oft die entscheidenden Details: Aufnahmepunkte für den Wagenheber, zulässige Schraubenlänge, Anzugsmoment und mögliche Besonderheiten bei Felgen oder Radkappen. Danach kann der eigentliche Wechsel sauber und ohne Rätselraten beginnen.

So läuft der Radwechsel Schritt für Schritt ab

  1. Fahrzeug sichern. Ich stelle das Auto auf eine ebene, feste Fläche, ziehe die Handbremse an und lege bei Schaltgetriebe den ersten Gang ein. Bei Automatik kommt der Wählhebel auf „P“. Zusätzlich sichere ich das gegenüberliegende Rad mit einem Keil.

  2. Radabdeckung entfernen und Schrauben anlösen. Falls eine Radkappe oder Nabenkappe vorhanden ist, kommt sie zuerst ab. Danach löse ich die Radschrauben nur leicht, solange das Rad noch am Boden steht. Komplett herausgedreht werden sie erst später.

  3. Wagenheber korrekt ansetzen. Der Hebepunkt muss zum Fahrzeug passen. Ich setze den Wagenheber nicht „ungefähr“ unter die Schwellerkante, sondern exakt dort, wo es die Karosserie vorsieht. Ein verkanteter Wagenheber ist eine unnötige Fehlerquelle.

  4. Rad abnehmen und prüfen. Nachdem das Fahrzeug sicher angehoben ist, drehe ich die Schrauben heraus und nehme das Rad mit beiden Händen ab. Jetzt ist ein guter Moment für einen kurzen Blick auf Reifenflanke, Felgenhorn, Bremse und Nabe. Risse, Beulen oder starke Korrosion sind kein Detail, das man ignorieren sollte.
  5. Auflagefläche reinigen. Bevor das neue Rad montiert wird, säubere ich die Auflagefläche an der Radnabe. Schmutz oder Rost können verhindern, dass die Felge sauber anliegt. Genau das rächt sich später durch Vibrationen oder ein unruhiges Fahrgefühl.

  6. Neues Rad aufsetzen und handfest anziehen. Das Rad wird auf die Nabe gesetzt, die Schrauben werden erst von Hand eingeschraubt und dann über Kreuz leicht angezogen. So sitzt die Felge gleichmäßig und verkantet nicht.

  7. Fahrzeug ablassen und endgültig festziehen. Erst wenn das Rad wieder Last trägt, ziehe ich die Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel fest. Dabei arbeite ich erneut über Kreuz, damit sich die Felge gleichmäßig anlegt.

  8. Kontrolle zum Schluss. Radkappe aufsetzen, Reifendruck prüfen und gegebenenfalls das Reifendruck-Kontrollsystem anlernen oder zurücksetzen. Danach fahre ich die ersten Kilometer bewusst ruhig, damit ich jedes ungewohnte Geräusch sofort bemerke.

Bei einem gut vorbereiteten Fahrzeug läuft das erstaunlich zügig. Der eigentliche Aufwand steckt selten im Schrauben selbst, sondern eher in der sauberen Vorbereitung und in der Kontrolle danach. Genau dort trennt sich der ordentliche Wechsel vom improvisierten Schnellschuss.

Welche Räder wohin gehören

Beim saisonalen Wechsel ist nicht nur wichtig, dass die Räder wieder ans Auto kommen, sondern auch wo sie sitzen. Der ADAC empfiehlt, Räder spätestens alle 8.000 bis 10.000 Kilometer achsweise zu tauschen. Wenn die Profiltiefen unterschiedlich sind, gehören die Reifen mit der größeren Restprofiltiefe an die Hinterachse. Das ist kein Nebensatz, sondern ein echter Sicherheitsgewinn, weil das Heck bei Nässe und Lastwechseln empfindlicher reagiert.
Fahrzeugtyp Sinnvolle Rotation Wichtiger Hinweis
Frontantrieb Vorne gleichseitig nach hinten, hinten diagonal nach vorne Hilft, den stärkeren Verschleiß an der Vorderachse auszugleichen
Heckantrieb Umgekehrt zum Frontantrieb Die Hinterachse trägt oft mehr Last und braucht saubere Kontrolle
Allradantrieb Meist diagonal versetzt Immer die Fahrzeugunterlagen beachten, weil Systeme stark variieren
Laufrichtungsgebundene Reifen Nur auf derselben Seite von vorn nach hinten oder umgekehrt Der Pfeil auf der Flanke gibt die Richtung vor
Mischbereifung oder unterschiedliche Größen Oft kein klassischer Achsentausch möglich Dann zählt die spezifische Freigabe des Fahrzeugs

Ich markiere die Position jedes Rads direkt nach dem Abnehmen mit VL, VR, HL oder HR. Das klingt banal, spart aber beim nächsten Wechsel Zeit und verhindert Verwechslungen. Gerade bei Oldtimern mit historisch gewachsener Bereifung, seltenen Felgen oder individuellen Umbauten ist diese kleine Routine Gold wert.

Drehmoment, Kreuzmuster und die Kontrolle danach

Der kritischste Teil ist nicht das Abnehmen, sondern das endgültige Festziehen. Ich ziehe Radschrauben immer über Kreuz an, damit die Felge gleichmäßig an der Nabe sitzt. Zu locker ist gefährlich, zu fest belastet Schrauben und Felgen unnötig stark. Beides ist schlecht, und beides passiert in der Praxis öfter, als viele glauben.

Das richtige Drehmoment steht im Fahrzeughandbuch oder in den Unterlagen der Felgen. Bei vielen Pkw liegen die Werte häufig in einem ähnlichen Bereich, aber ich verlasse mich nie auf einen groben Erfahrungswert. Schon kleine Abweichungen machen einen Unterschied, besonders bei alten, wertvollen oder nachgerüsteten Felgen.

  • Schrauben nie mit Gewalt „nach Gefühl“ festknallen. Ein Drehmomentschlüssel ist hier kein Luxus, sondern Pflichtwerkzeug.
  • Nach kurzer Fahrt noch einmal prüfen. Ich kontrolliere die Verschraubung nach etwa 50 Kilometern erneut.
  • Reifendruck separat messen. Der korrekte Schraubensitz ersetzt keine Luftdruckkontrolle.
  • Vibrationen ernst nehmen. Wenn das Lenkrad flattert oder das Auto unruhig läuft, lasse ich die Räder auswuchten und das Fahrwerk prüfen.

Gerade bei einem Fahrzeug aus der Oldtimer-Ecke zeigt sich hier schnell, wie gut Fahrwerk und Räder zusammenarbeiten. Ein sauber montiertes Rad kann nur dann ruhig laufen, wenn Nabe, Felge, Reifen und Achsgeometrie zusammenpassen. Der Wechsel ist also nicht nur ein Werkstattgriff, sondern auch ein kleiner Gesundheitscheck fürs Fahrwerk.

Was bei Oldtimern und empfindlichem Fahrwerk anders ist

Der TÜV NORD weist darauf hin, dass Reifen nach sechs bis acht Jahren ersetzt werden sollten; die vierstellige DOT-Nummer auf der Flanke zeigt das Herstellungsdatum. Bei Klassikern ist das besonders wichtig, weil das Fahrzeug oft seltener bewegt wird und der Gummi trotzdem altert. Risse in der Flanke, poröse Ventile oder kleine Ausbrüche im Profil sind dann oft ein größeres Thema als die reine Restprofiltiefe.

Bei Oldtimern achte ich zusätzlich auf drei Dinge: erstens auf die Auflageflächen an der Radnabe, zweitens auf die Korrosion an den Schrauben und drittens auf ungewöhnliche Felgen- oder Radkappenlösungen. Speichenräder, Zentralverschlüsse oder sehr empfindliche Originalfelgen sind kein Fall für blindes Standardvorgehen. Wenn das Fahrzeug ein tiefes Fahrwerk, besondere Aufnahmepunkte oder seltene Nachrüstfelgen hat, arbeite ich nur nach Werksangabe oder lasse die Sache in einer Fachwerkstatt prüfen.

Auch das Fahrwerk selbst liefert beim Wechsel wertvolle Hinweise. Spiel in Spurstangen, verschlissene Buchsen, trockene Stoßdämpfer oder ungleichmäßiger Reifenabrieb fallen beim genauen Hinsehen oft zuerst beim Radwechsel auf. Wer also nicht nur Räder tauschen, sondern den Wagen verstehen will, nutzt genau diesen Moment für einen kurzen Rundgang unter dem Auto.

Mit sauberer Dokumentation bleibt der nächste Wechsel einfacher

Ich notiere mir nach dem Wechsel nicht nur die Position der Räder, sondern auch kleine Auffälligkeiten: DOT, Profiltiefe, Reifendruck, Beschädigungen an der Flanke und alles, was am Fahrwerk sichtbar war. Gerade bei einem Oldtimer entsteht so mit der Zeit ein nützliches Bild. Man sieht früher, ob ein Reifen einseitig abläuft, ob ein Rad Unwucht entwickelt oder ob sich an einer Stelle Rost und Alterung beschleunigen.

Wer die Räder einlagert, sollte sie sauber, trocken und dunkel aufbewahren und die Positionen eindeutig kennzeichnen. Das ist keine Nebensache, sondern Teil der Pflege. Ein klassischer Wagen wirkt am Ende nicht nur gepflegter, sondern fährt auch berechenbarer, wenn der Radwechsel nicht improvisiert, sondern konsequent und mit prüfendem Blick erledigt wird.

Wenn beim nächsten Saisonwechsel ein Bolzen schwergängig ist, ein Reifen auffällig alt wirkt oder das Fahrgefühl nach dem Montieren nicht sauber ist, würde ich nicht weiterprobieren, sondern gezielt nachsehen lassen. Genau an dieser Stelle zahlt sich Sorgfalt aus, und zwar jedes Mal.

Häufig gestellte Fragen

Die richtige Reihenfolge sichert das Fahrzeug, verhindert Schäden an Schrauben und Felgen und gewährleistet, dass das Rad korrekt und sicher montiert wird. Besonders das Anlösen vor dem Anheben und das Festziehen über Kreuz sind entscheidend.
Ein Wagenheber, Unterlegkeile, ein Radkreuz oder Radschlüssel und vor allem ein Drehmomentschlüssel sind unerlässlich. Eine Drahtbürste zur Reinigung der Auflageflächen und ein Reifendruckprüfer sind ebenfalls sehr empfehlenswert.
Ja, unbedingt! Prüfen Sie den Reifendruck und kontrollieren Sie die Radschrauben nach etwa 50 Kilometern Fahrt erneut mit dem Drehmomentschlüssel. Achten Sie auf ungewöhnliche Geräusche oder Vibrationen, die auf eine Unwucht hindeuten könnten.
Bei Oldtimern sollten Sie besonders auf den Zustand der Reifen (Alter, Risse), Korrosion an Naben und Schrauben sowie empfindliche oder spezielle Felgen achten. Dokumentieren Sie Auffälligkeiten und prüfen Sie die Betriebsanleitung für spezifische Anzugsmomente und Aufnahmepunkte.

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Autor Frank Hiller
Frank Hiller
Ich bin Frank Hiller und beschäftige mich seit über einem Jahrzehnt intensiv mit der Restaurierung, Pflege und Geschichte von Oldtimern. In dieser Zeit habe ich umfassende Kenntnisse über die verschiedenen Techniken und Materialien gesammelt, die für die Wiederherstellung klassischer Fahrzeuge erforderlich sind. Mein Ziel ist es, die Faszination für Oldtimer nicht nur zu bewahren, sondern auch weiterzugeben. Als erfahrener Content Creator und Branchenanalyst lege ich großen Wert darauf, komplexe Informationen verständlich und zugänglich zu präsentieren. Ich analysiere Markttrends und dokumentiere historische Entwicklungen, um meinen Lesern eine fundierte Perspektive zu bieten. Dabei ist es mir wichtig, objektiv und präzise zu arbeiten, damit jeder, der sich für Oldtimer interessiert, auf verlässliche Informationen zugreifen kann. Mein Engagement für akkurate und aktuelle Inhalte spiegelt sich in jedem Artikel wider. Ich möchte sicherstellen, dass meine Leser nicht nur inspiriert, sondern auch gut informiert sind, wenn es um die Pflege und Restaurierung ihrer Fahrzeuge geht.

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