Beim Versicherungsabschluss, der Bestellung eines Ersatzteils oder der Restaurierung eines älteren Fahrzeugs werden häufig zwei kurze Codes verlangt. In der Zulassungsbescheinigung Teil I lassen sich HSN und TSN meist in wenigen Sekunden ablesen, sofern man weiß, welche Felder gemeint sind. Ich zeige, wo die Angaben stehen, welche Zeichen wirklich zählen und was bei alten Fahrzeugpapieren, Importwagen und Oldtimern zu beachten ist.
Die wichtigsten Angaben auf einen Blick
- HSN: Die vierstellige Herstellerschlüsselnummer steht im Feld 2.1.
- TSN: Für viele Abfragen zählen die ersten drei Zeichen aus Feld 2.2.
- Alte Fahrzeugscheine: Dort stehen die Werte unter „zu 2“ und „zu 3“.
- Verwendungszweck: HSN und TSN helfen bei Versicherung, Kfz-Steuer, Ersatzteilen und Fahrzeugidentifikation.
- Importfahrzeuge: Genullte Schlüsselnummern müssen oft durch FIN, CoC-Papier oder technische Daten ergänzt werden.
Wo HSN und TSN im Fahrzeugschein stehen
Der heutige Fahrzeugschein heißt offiziell Zulassungsbescheinigung Teil I. Die HSN finden Sie im Feld 2.1. Sie besteht aus vier Ziffern und bezeichnet den Hersteller, wobei ein Hersteller mehrere HSN besitzen kann.
Direkt daneben oder darunter befindet sich das Feld 2.2. Für die übliche Fahrzeugauswahl bei Versicherungen und Teilehändlern werden daraus in der Regel die ersten drei Zeichen als TSN übernommen. Je nach Fahrzeug und Dokument folgen weitere Zeichen für Variante, Version und Prüfziffer. Diese vollständige Zeichenfolge ist nicht automatisch identisch mit der gesuchten TSN.
| Angabe | Feld in der Zulassungsbescheinigung Teil I | Bedeutung |
|---|---|---|
| HSN | 2.1 | Hersteller, vier Ziffern |
| TSN | 2.2 | Fahrzeugtyp, meist die ersten drei Zeichen |
| FIN | E | Individuelle Fahrzeug-Identifizierungsnummer |
| Emissionsschlüssel | 14.1 | Abgas- beziehungsweise Emissionsklasse |
Ein einfaches Beispiel macht die Aufteilung klar. Steht in Feld 2.1 die Nummer 0603 und in Feld 2.2 eine Zeichenfolge, deren erste drei Stellen ABC lauten, geben Sie bei einer klassischen HSN-TSN-Abfrage 0603 und ABC ein. Die restlichen Zeichen aus Feld 2.2 sollten Sie nur übernehmen, wenn das Formular ausdrücklich danach fragt.
Was HSN und TSN voneinander unterscheidet
Die Herstellerschlüsselnummer ordnet das Fahrzeug einer Marke beziehungsweise einem Hersteller zu. Die Typschlüsselnummer grenzt innerhalb dieser Marke den konkreten Fahrzeugtyp ab. Erst die Kombination beider Angaben beschreibt das Fahrzeug so genau, dass Versicherer, Werkstätten oder Teilehändler damit arbeiten können.
In der TSN stecken je nach Fahrzeug unter anderem Informationen zu Modellreihe, Karosserie, Motorisierung und Kraftstoffart. Das erklärt, warum zwei äußerlich ähnliche Fahrzeuge unterschiedliche TSN haben können. Für die Versicherung ist dieser Unterschied relevant, weil die Schlüsselnummer in die Einstufung der Typklasse einfließt.
Ich sehe in der Praxis häufig, dass Fahrzeughalter die TSN mit der langen Nummer aus Feld 2.2 verwechseln. Das ist verständlich, denn das Dokument zeigt eine zusammenhängende Zeichenfolge. Entscheidend ist aber immer die Bezeichnung des Formulars. Fragt es nach HSN und TSN, reichen normalerweise vier Stellen plus die ersten drei Zeichen.
So lesen Sie alte Fahrzeugpapiere richtig
Bei älteren Fahrzeugen finden Sie nicht zwingend die modernen Felder 2.1 und 2.2. In einem alten Fahrzeugschein stehen die Schlüsselnummern unter „zu 2“ für den Hersteller und „zu 3“ für den Fahrzeugtyp. Die alten Dokumente bleiben grundsätzlich gültig, solange sie nicht durch neue Zulassungsbescheinigungen ersetzt wurden.
Gerade bei Oldtimern lohnt sich ein genauer Blick, weil die Papiere oft über Jahrzehnte ergänzt, geändert oder teilweise ersetzt wurden. Achten Sie darauf, ob Sie tatsächlich den alten Fahrzeugschein oder bereits eine Zulassungsbescheinigung Teil I vor sich haben. Die Begriffe sehen ähnlich aus, die Positionen der Angaben unterscheiden sich jedoch.
Lesen Sie auch: Auto ohne Fahrzeugbrief verkaufen - So geht's sicher!
Besonderheiten bei historischen Fahrzeugen
Bei einem restaurierten Fahrzeug können HSN und TSN noch die ursprüngliche Serienausführung beschreiben, obwohl Motor, Getriebe oder Karosserie später verändert wurden. Für eine passende Ersatzteilbestellung sind deshalb zusätzlich Baujahr, Motorcode, Fahrgestellnummer und gegebenenfalls die KBA-Nummer des Bauteils wichtig.
Die Schlüsselnummer ist eine gute erste Orientierung, aber kein Beweis dafür, dass jedes Teil unverändert passt. Besonders bei Fahrzeugen aus den 1950er- bis 1980er-Jahren haben Modellwechsel, Facelifts und länderspezifische Ausführungen oft mehr Einfluss als die allgemeine Typbezeichnung.
HSN und TSN ohne Fahrzeugschein ermitteln
Fehlt der Fahrzeugschein, gibt es mehrere Wege. Am zuverlässigsten sind vorhandene Versicherungsunterlagen, ein alter Beitragsbescheid oder die direkte Nachfrage beim Versicherer. Auch eine Werkstatt kann das Fahrzeug häufig anhand der FIN aus Feld E oder anhand von Marke, Modell, Baujahr und Motorisierung eingrenzen.
- Versicherungspolice prüfen: Dort sind Fahrzeugtyp und oft auch die Schlüsselnummer hinterlegt.
- FIN verwenden: Die 17-stellige Fahrzeug-Identifizierungsnummer hilft bei Werkstätten und Herstellern weiter.
- KBA-Verzeichnisse nutzen: Das Kraftfahrt-Bundesamt veröffentlicht Schlüsselnummern und Fahrzeugdaten in entsprechenden Verzeichnissen.
- CoC-Papier kontrollieren: Bei jüngeren Fahrzeugen können die europäischen Übereinstimmungsbescheinigungen zusätzliche technische Angaben liefern.
- Zulassungsstelle kontaktieren: Bei Verlust der Papiere kann dort eine neue Zulassungsbescheinigung beantragt werden.
Eine reine Modellbezeichnung wie „BMW 3er, Baujahr 1990“ reicht dagegen selten aus. Unterschiedliche Motoren, Karosserievarianten und Importversionen können verschiedene Schlüsselnummern haben. Für eine belastbare Zuordnung brauche ich deshalb möglichst immer Motorisierung und Erstzulassungsdatum zusätzlich.
Typische Fehler bei der Eingabe vermeiden
Der häufigste Fehler ist, bei der TSN die komplette Zeichenfolge aus Feld 2.2 einzutragen. Viele Rechner erwarten aber nur die ersten drei Stellen. Ein weiterer Klassiker ist die Verwechslung von HSN und TSN, besonders wenn das Formular beide Felder nebeneinander anzeigt.
- Die HSN hat vier Ziffern, nicht drei.
- Die TSN kann aus Buchstaben oder Ziffern bestehen.
- Nullen am Anfang dürfen nicht weggelassen werden.
- Die FIN aus Feld E ist nicht dasselbe wie HSN oder TSN.
- Der Emissionsschlüssel aus Feld 14.1 gehört nicht zur TSN.
- Bei alten Papieren gelten die Felder „zu 2“ und „zu 3“.
Wenn ein Rechner die Eingabe ablehnt, sollten Sie nicht einfach Zeichen austauschen oder die Nummer verkürzen. Prüfen Sie zuerst, ob das Formular nach TSN, VSN, KBA-Nummer oder einer vollständigen Typnummer fragt. Diese Begriffe werden in Onlineformularen nicht immer einheitlich verwendet.
Was bei Importfahrzeugen und Sonderumbauten gilt
Bei Fahrzeugen, die nie offiziell auf dem deutschen Markt angeboten wurden, können HSN und TSN in den deutschen Papieren genullt sein. Das bedeutet nicht, dass das Fahrzeug nicht identifizierbar ist. Es weist lediglich darauf hin, dass keine reguläre deutsche Typschlüsselung vorliegt.
In diesem Fall helfen meist die FIN, das Datenblatt, die Einzelgenehmigung, das CoC-Papier oder eine technische Bestätigung des Herstellers. Für Versicherung und Ersatzteile kann eine manuelle Fahrzeugauswahl erforderlich sein. Bei einem US-Import oder einem individuell umgebauten Oldtimer sollte man deshalb nicht erwarten, dass jeder Online-Rechner automatisch ein passendes Ergebnis liefert.
Auch nach einem Motorumbau oder einer Änderung der Karosserie bleiben die eingetragenen Schlüsselnummern nicht automatisch aktuell. Für die Zulassung zählen die genehmigten und dokumentierten Daten. Bei sicherheitsrelevanten Teilen würde ich daher immer zusätzlich die Fahrzeug-Identifizierungsnummer und die konkrete Ausführung abgleichen.
Die richtige Nummer spart bei Oldtimern Zeit und Fehlbestellungen
Wer HSN und TSN finden möchte, schaut in der modernen Zulassungsbescheinigung Teil I zuerst in die Felder 2.1 und 2.2. Bei alten Papieren sind die Felder „zu 2“ und „zu 3“ maßgeblich. Für die meisten Standardabfragen genügen die vier HSN-Ziffern und die ersten drei Zeichen der TSN.
Bei historischen, importierten oder umgebauten Fahrzeugen sehe ich die Schlüsselnummer allerdings nur als Startpunkt. Ein Abgleich mit FIN, Motorcode, Baujahr und vorhandenen Unterlagen verhindert, dass ein scheinbar passendes Ersatzteil bestellt wird, das am Ende doch nicht zur individuellen Fahrzeugausführung passt.